Griechenland – Eine Europäische Tragödie?

Economics

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Republikanischer Club, Wien, 11. Mai 2010

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PanelistInnen (Öko­no­mIn­nen aus der Kurs­wech­sel Redaktion):

  • Joachim Becker (Univ. Prof., Inst. f. Außenwirtschaft und Entwicklung, WU-Wien)
  • Werner Raza (Ökonom, Forschungsbereich “International trade policy”)
  • Elisabeth Springler (Ökonomin, Inst. f. Geld und Finanzwirtschaft, WU-Wien)

Moderation:

  • Beat Weber (BEIGEWUM)

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Photo by: Euronews

Warum ist die EU auf der Griechspur? Wie fair ist das Hilfspaket? Wie aussichtsreich ist das Sparprogramm? Gibt es Alternativen? Brechen Zentrum und Peripherie in der EU jetzt auseinander? Rolle von EU und IWF, Parallelen und Unterschiede zu früheren Anpassungsprogrammen z.B. in Lateinamerika, etc.

Einige zen­trale Diskussionspunkte der Veranstaltung (BEIGEWUM):

* In der grie­chi­schen Bevöl­ke­rung herrscht gewisse Akzep­tanz für Kon­so­li­die­rungs­be­darf, aber die beschlos­se­nen Maß­nah­men tref­fen laut herr­schen­der Ein­schät­zung die Fal­schen (Pro­bleme wie Steu­er­hin­ter­zie­hung, Ver­mö­gens­un­gleich­heit, Mili­tär­aus­ga­ben zu wenig angegangen).

* Unter den inter­nen Fak­to­ren ist neben der Ban­ken­krise vor allem die Olym­pi­schen Spiele 2004 als maß­geb­lich für die Eska­la­tion der grie­chi­schen Staatsverschuldungs-​​Problematik zu nennen.

* Die aktu­elle Staats­schul­den­krise ist weni­ger inter­nen Fak­to­ren zuzu­schrei­ben, als viel­mehr die letzte Etappe der Finanz­krise – jetzt geht es um die Frage, wer zahlt.

* Die süd­li­chen (wie auch die meis­ten öst­li­chen) EU-​​Staaten haben eines gemein­sam: Import­ab­hän­gig­keit und Abhän­gig­keit von Kapi­tal­zu­fuhr aus dem Aus­land, oft ist bzw. war das Wachs­tum Immobilienboom-​​getrieben. Das Spie­gel­bild sind Über­schuss­län­der, allen voran Deutsch­land (aber auch Nie­der­lande, und Öster­reich gegen­über Ost­eu­ropa): Sie expor­tie­ren Waren und Kapital.

* Das Ret­tungs­pa­ket ist über­fäl­lig gewe­sen, aber in eine pro­ble­ma­ti­sche Stra­te­gie ein­ge­bet­tet. Die wirt­schafts­po­li­ti­sche Stra­te­gie der EU läuft dar­auf hin­aus, dass alle Mit­glie­der Export­über­schüsse anstre­ben sol­len – was aber zumin­dest glo­bal nicht für alle geht.

* Den öst­li­chen Staa­ten ist von der EU schon frü­her jene Stra­te­gie ver­ord­net wor­den, wie jetzt dem Süden: Lohn­sen­kun­gen und Bud­get­kon­so­li­die­rung. Weil das zur Rezes­sion führt, wird die Bud­get­kon­so­li­die­rung nicht erreicht. Die Reduk­tion des Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zits gelang jedoch. Aller­dings zu einem hohen Preis: Zer­stö­rung indus­tri­el­ler Struk­tu­ren und Armut.

Diese Stra­te­gie hat das Poten­zial eines Domi­no­ef­fekts: Anpas­sungs­druck auf die Löhne nach unten wird auf den Wes­ten der EU über­sprin­gen. Es han­delt sich also um eine Radi­ka­li­sie­rung der neo­li­be­ra­len Poli­tik der letz­ten Jahre.

* Hat sich die Rolle des IWF geän­dert? Der „Strauss-​​Kahn-​​Effekt“ macht sich nur mode­rat bemerk­bar: Statt wie ursprüng­lich geplant 3 Jahre, erhält Grie­chen­land für die Bud­getan­pas­sung nun 5 Jahre Zeit.

* Mög­li­che Alter­na­ti­ven: For­de­rungs­ver­zicht der Gläu­bi­ger, flan­kiert von Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len; Auf­bau von Pro­duk­ti­ons­struk­tu­ren in Defi­zit­län­dern, finan­ziert durch Trans­fers aus Überschussländern.

Weblinks

  • Zeitschrift Kurswechsel

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